Geschichte - Anmerkungen

Eigene Anmerkungen zur Werksgeschichte

I.
Alle genannten Faktoren des Unterganges können nicht darüber hinweggehen, daß es auch bei Borgward "Fehler" gegeben hat:

  • Es wurde nicht für eine Reserve für eventuelle Notfälle gesorgt, die Gewinne an Personenwagen waren so gering, daß man fast von "nicht vorhanden" sprechen kann. Die andere Seite: menschliche Preise für Käufer. Doch das hilft der Industrie im Krisenfall herzlich wenig, denn der Käufer weiß nicht genau, was der Hersteller verdient. Aber einen so knapp bemessenen Gewinn gibt es in der Geschichte der Automobilhersteller sicher nicht zweimal.
  • Die Neukonstruktionen waren teilweise anfällig. Das kommt überall vor (BMW 1500!!), verursacht aber schlechten Ruf und sinkende Umsatzzahlen.
  • Carl Borgwards Gutmütigkeit und "Nibelungentreue" gegenüber Freunden und Vertrauten. Er hat Organisation des Vertriebs aus Nachgiebigkeit nicht dem vorhandenen Großkonzern angepaßt, sondern eher so gelassen wie bei seinen Dreirädern der dreißiger Jahre. Leider ist Menschlichkeit im Großhandel nicht gefragt. Sie wäre - konsequent durchgeführt - für alle angenehm, doch ein Großkonzern läßt sich damit nicht erreichen. Man kann also von "Mensch gegen Maschine" sprechen, Carl Borgward der Mensch, die eiskalt planenden Aufsichtsräte der Großkonzerne die Maschine. Was halten Sie für angenehmer?

II.
Das waren einige Fehlerchen des Borgward-Konzerns. Menschliche Schwächen wäre treffender gesagt. Die Aufschrift auf der letzten Isabella "Du warst zu gut für diese Welt" hatte schon seine Berechtigung. Man bekam bei Borgward viel gute Technik für im Grunde wenig Geld. -

Was ist geblieben? Die Neukonstruktionen für 1962 - nahezu unbekannt - sind irgendwohin verschwunden, die Hubschrauber, die schon serienreif waren, sind verschrottet worden. Bis auf den neuen Goliath: Er ist dem Glas 1700 identisch, weshalb ich immer seltsam berührt bin, wenn ich diesen Wagen sehe. Auch das ist seltsam...

III.
Es wäre theoretisch also möglich, heute zur nächsten Borgward-Vertretung zu gehen und zu sagen: Ich möchte einen Borgward. Carl Borgward war zu human. Er hätte nie anderen den Garaus gemacht, so wie BMW ihm. 1957 hätte Borgward diese Gelegenheit auch gehabt, denn die BMW-Typenpolitik war völlig unüberlegt. Hatten sie damals Geld für einen Achtzylinder? Wohl nur für den kleinen Lloyd...

Wenn man die Konkurrenz nur so loswerden kann, na dann prost Mahlzeit. Ich weiß, was ich von dieser Firma zu halten habe. Alle Glas Fahrer sicher auch. Fahren Sie - trotz des Service-Versprechens hin zu BMW und warten Sie ab, wie man Sie ansieht und behandelt.

Mein Verhalten ist klar. Ihres auch?

Doch es war mehr im Busch. Doch den anderen ihre Rolle nachzuweisen erinnert irgendwie an die "Neue Heimat" und Ähnliches.

Daß wir es hier mit keinem "Konkurs", mit keiner "Pleite" zu tun haben, sieht man schon daran, daß jeder Gläubiger sein Geld bekam. Auch die Bilanzen von Ende 1960 sprechen eine deutliche Sprache: Überschuß: 204 Mio...

IV.
Ich schließe hiermit meine traditionsreiche Werksgeschichte ab. Es bleibt nur zu hoffen, daß sie ihren Teil zum Verständnis und zur Rechtfertigung beiträgt und - vielleicht auch ferneren Nutzen trägt - wie ich das meine? Interpretieren Sie aus dem Gesagten.

Ein Verbrechen kann man nicht rechtfertigen, wie auch immer. Der einzige Weg einer - bedingten - Wiedergutmachung wäre ein Borgward-Neubau, nicht Nachbau einer Borgward-Initiative. Doch wer ist dazu in der Lage??

Das war das Ende eines - humanen - Großkonzerns - des letzten deutschen übrigens, denn wer hat sonst deutsche Leistung, Produktion, Entwicklung und Kapital. Bei einer AG ist das unmöglich.

Vielleicht denken Sie auch daran, wenn Sie einen Opel oder Ford oder... oder ... oder... fahren und vielleicht sogar einen "deutschen Wagen" ansehen.


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