Kaufberatung Hansa 1500

Der einstige Trendsetter macht sich rar: Nur etwa 80 der Bremer Limousinen haben überlebt. Zähe Technik und ein solider Rahmen erleichtern die Restaurierung - aber wehe, wenn Ersatzteile fehlen: Nur ein kompletter Borgward ist ein guter Borgward.

Karosserie
Der Hansa 1500 ist weniger rostempfindlich als seine hübsche Schwester Isabella - und dazu noch einfacher zu restaurieren: Seine Karosserie sitzt auf einem massiven Zentralrohrrahmen. Rost ist nicht das Hauptproblem der massiv verarbeiteten Limousinen: Zu den wenigen sensiblen Stellen eines Hansa 1500 zählen die Stoßstangen, die schon nach wenigen Jahren zum Lochfraß neigten, und - beim Zweitürer - die hintere Kotflügelkante zur B-Säule: Sie ist bei fast allen Exemplaren vom Verfall bedroht.
Viele Fahrzeuge überlebten mit porösen Gummidichtungen, die nur durch teure Einzelnachfertigungen ersetzt werden können, und mit rettungslos verwitterten Zierteilen. Praktisch nicht ersetzbar sind die eloxierten Leisten der Fenster-Einfassungen: Sie werden rissig und so spröde, daß sie irgendwann auseinanderbrechen. Ihre Messing-Legierung widersetzt sich Lötversuchen, Nachfertigungen sind extrem teuer.
Ähnlich mühsam ist die Reproduktion der häufig beschädigten Einstiegszierleisten, während eine verwohnte Innenausstattung zwar typisch für die Hansa-Modelle ist, aber nicht problematisch: Die authentischen Materialien hält der Fachhandel wieder bereit.
Am Ende bestimmt die trostlose Ersatzteil-Situation über Kauf oder Verzicht: Ein Restaurierungsobjekt sollte möglichst komplett und original erhalten sein. Ruinen taugen nur zum Ausschlachten - ebenso wie die Exemplare, die ihre originale Substanz im Alltag der DDR einbüßten. Ihre Restaurierungskosten überragen den Marktwert.

Hansa 1500

Technik
Borgward warb in den Fünfzigern mit Motorlaufleistungen bis zu 300 000 Kilometern. Empfindlich ist nur das Gußmaterial des Zylinderkopfs: Es kommt zu Rissen, die sich nicht dauerhaft schweißen lassen - und Ersatz ist schwer zu beschaffen. Als unproblematisch werten Borgward-Kenner das Getriebe und Fahrwerk des Hansa 1500 und seines bis 1954 gebauten Nachfolgers Hansa 1800. Er sah gleich aus, war aber auch mit 42 PS-Dieselmotor zu haben. Der Selbstzünder gilt als robust, und auch der Teilenachschub funktioniert, weil der Diesel in vielen Borgward-Lastwagen nagelte.

Preise
Es ist nicht ganz billig, einen Hansa 1500 zu restaurieren. Trotzdem steht manchmal sogar ein perfektes Exemplar zum Verkauf - Preis ab etwa 30 000 bis zu 50 000 €. Für rund 20 000 € gibt es Limousinen in Zustand 3, und Restaurierungsobjekte notieren um 5000 €. Der sanft modernisierte Hansa 1800 erzielt etwa die gleichen Kurse, ist mit seinem vollsynchronisierten Getriebe (alle Modelle ab März 1953) aber etwas alltagstauglicher. Die Sehnsucht wahrer Borgward-Fans gilt dem Sport-Cabriolet, das von 1950 bis 1953 in Kleinserie entstand. Mindestens sieben dieser Pretiosen (Leistung: 66 oder 80 PS) gibt es noch - Kaufpreise bis zu 80 000 € sind verbürgt.

Ersatzteile
Neuteile? Vergessen Sie's lieber. Die Zahl der überlebenden Hansa-Limousinen ist zu klein für lohnende Nachfertigungen. Das Ersatzteilangebot auf Oldtimer-Märkten reduziert sich auf ein paar gebrauchte Kühlermasken, rostige Radkappen oder defekte Tachos. Und die Teilelager der wenigen Insider öffnen sich nur für Vertraute mit brauchbarer Tauschware. Wer einen Hansa 1500 oder 1800 fahren will, sucht am besten noch ein Schlacht-Exemplar, dessern Restaurierung sich nicht lohnen würde.

Spezialisten
Oskar Pfeffer, Froschgasse 2, 61194 Niddatal, Tel. 06034/3280;
Gerhard Würnschimmel, Penziger Str. 17, A-1140 Wien, Tel. 0043/1/8942382;
Albert Gagel, Johannisstr. 39a, 38855 Wernigerode, Tel. 03943/602872.

Club-Adressen
Carl F. W. Borgward Interessengemeinschaft, Hartmut Loges, Paul-Goerens-Str. 30, 45145 Essen, Tel./Fax 0201/757444;
Borgward Club Frankfurt/ Würzburg, Marion Härzer, In der Rosengewann 9, 60437 Frankfurt, Tel. 06101/43399;
Borgward Club Bremen, Postfach 110346, 28083 Bremen;
Borgward Interessengemeinschaft Schweiz, Ulrich Bühlmann, Hangstr. 35, CH-8604 Volketswil.

Tipp
Die Suche nach einem Hansa 1500 oder 1800 verwischt die Ländergrenzen: Sehr hilfreich können Kontakte nach Skandinavien sein, wo die Borgward-Limousinen einst besonders verbreitet waren. Eine gute Adresse ist der schwedische Borgward-Club (Kontakt über Claes Jaegevall, Tel./Fax 0046/504-13658), dessen Jahrestreffen vom 14. bis 16. Mai am Vätternsee stattfindet.

Mängel
Fehlende Teile aller Baugruppen
Stoßstangen
Leisten um die Fensterrahmen
Tür- und Fenstergummis
Hintere Kotflügelkanten
Innenausstattung
Zylinderkopf (Rußbildung)

Fazit
Der Hansa 1500 ist ein Meilenstein der deutschen Automobilgeschichte - und ein Auto mit Charisma. Die Ersatzteilprobleme machen ihn aber zum Fall für begnadete Schrauber, für finanziell unabhängige oder leidensfähige Borgward-Fans.

Motor Klassik-Redakteur
Christian Steiger

mit freundlicher Genehmigung der:
Motor Klassik - das Oldtimermagazin von auto motor und sport
Heft 5/1999, Preislich überarbeitet am 23.07.2018 J. Krah

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