Kaufberatung Arabella

Karosserie

Vergessen Sie den "Aqua bella"-Spott der frühen Jahre:

Die Arabella-Karosserie hat auch gute Seiten - sie zählt unter den Oldtimern aus Deutschland zu den schrauberfreundlichsten Konstruktionen überhaupt. Die komplette Blechhülle ist in Schalenbauweise verschraubt, sie läßt sich also im Handumdrehen mit Hilfe eines Schraubenziehers in ihre Einzelteile zerlegen.
Tückische Hohlräume und verborgene Rostnester gehören nicht zum Repertoire des Bremer Kompaktwagens: Die wichtigen Schwachstellen des Arabella-Blechs lassen sich einfach orten.
Oft sind alle vier Kotflügel der Arabella vom Rost befallen. Bei den vorderen Exemplaren bilden sich die verräterischen Bläschen an der Unterkante zwischen Radlauf und Tür, hinten setzt sich der Verfall an den Radläufen und Endspitzen fest. Ein Moosgummi an der Radlauf-Innenseite, ursprünglich als Abdichtung gedacht, zieht die Feuchtigkeit geradezu magisch an.
Wenn die vorderen Kotflügel an ihrer klassischen Stelle porös geworden sind, ist fast immer auch die dahinterliegende A-Säulen-Unterseite durchgerostet. Oft gesellen sich verfaulte Schwellerspitzen vorn und hinten dazu. Rostanfällig sind auch alle vier Radkästen der Arabella und ihre nähere Umgebung. Das Zentralrohr und der vordere Querholm sind meist nur bei sehr porösen Exemplaren von Korrosion angegriffen.
Ein Blick unter die Motorhaube sollte der Batterie-Auflagefläche und ebenfalls dem Bereich rund um die Heizungsanlage gelten - dieser Teil der Spritzwand ist oft morsch. Die Türen der Arabella rosten gern am unteren Falz, noch öfter aber reißen sie zwischen Dreiecksfenster und Verkleidung ein - eine typische Schwachstelle der Arabella, die sich praktisch nicht auf Dauer sanieren läßt.
Im Innenraum des Wagens lohnt sich ein Blick unter die Gummimatten der vorderen Fußräume: Wenn jemals Wasser einsickerte, hat es sich hier gesammelt. Allerdings läßt sich die Stelle relativ einfach sanieren: Es gibt sogar wieder Reparaturbleche mit den originalen Quersicken.
Etwas mühsamer ist die Reparatur einiger anderer Arabella-Gebrechen: Die Ränder des Kofferraumbodens, die hinteren Stoßdämpferdome und die Sitzschalen sind häufig durchgerostet.

Arabella

Technik
Als Super-GAU gingen die frühen Arabella-Getriebe in die Borgward-Geschichte ein: Die Viergang-Boxen heulten um die Wette, ihre Gänge ließen sich anfangs nur mit heftigem Kraftaufwand wechseln. Erst zu Beginn des Jahres 1960 kehrte Ruhe ein: Die überarbeiteten - und damit unbedenklichen - Getriebe tragen den eingeschlagenen Buchstaben B oder D auf dem Gehäuse. Normal ist freilich ihr leichtes Lagerheulen und die Synchronisationsschwäche beim Wechsel vom dritten in den zweiten Gang.
Eine serienmäßige Eigenschaft der Arabella war auch ihre hakelige Schaltung - in den meisten Fällen wird sie heute von übermäßigem Spiel im Schaltgestänge unterstützt. Normalerweise darf der Arabella-Schalthebel ein Spiel von maximal drei Zentimetern aufweisen - die Realität sieht aber anders aus: Beim Schalten in den Rückwärtsgang oder den dritten Gang stößt der Hebel fast immer gegen die obere Armaturenbrettabdeckung. Das Schaumstoffteil ist im Alter ohnehin ziemlich mürbe und bricht dann schnell auf. Ersatz gibt es nicht, Flickwerk ist die einzige Lösung.
Improvisiert haben in der Vergangenheit auch viele Arabella-Eigner, die eine VW Käfer-Kupplung einbauten. Das Austausch-Teil zeichnet sich an Bord der Arabella durch übermäßiges Rupfen aus, und die zu schwachen Ausrücklager werfen meist früh das Handtuch. Arabella-Insider erkennen die VW-Lösung am Kupplungspedal, das etwas höher als das Bremspedal steht.
Weit unproblematischer als Kupplung und Getriebe ist der wassergekühlte Boxermotor der Arabella: Er entpuppte sich vom Start weg als ausgereifte Konstruktion, die im Alter nur mit mürbe werdenden Novotex-Stirnrädern nervt. Auflösungserscheinungen kündigen sich durch ein deutlich hörbares Takkern an, das auf außergewöhnliches Zahnflankenspiel hindeutet. Ein Novotexrad lebt, wie Arabella-Kenner wissen, maximal 100 000 Kilometer lang.
Früher verschleißen in der Regel die Antriebsgelenke der Arabella. Wenn es beim Einschlagen der Lenkung verdächtig knackt und im Fahrbetrieb lautstark klackert, haben die Antriebsgelenke zu viel Spiel. Abhilfe schafft nur rar gewordener Totalersatz, Aufarbeiten ist nicht rentabel.

Preise
Arabella-Modelle sind nicht mehr so billig, wie sie zur Zeit waren- ihr angekratztes Image und die schlechte Ersatzteillage dämpfen allerdings die Nachfrage. Außerdem ist der Bremer Kompaktwagen sehr rar geworden: Rund 150 Exemplare sind beim Kraftfahrt-Bundesamt noch gemeldet.
Nur gelegentlich werden für den Luxus-Lloyd mehr als 8 000.- Euro bezahlt - Voraussetzung sind wirklich brillanter Zustand und das begehrte große Golde-Faltdach.
Eine 38 PS-Arabella in gutem, voll fahrbereitem Zustand ist dagegen schon ab rund 6000 Euro zu haben. Die seltene De luxe-Version ist rund 1000 Euro Zuschlag wert.
Restaurierungsobjekte gibt es für etwa 2000 Euro - falls sie komplett und nicht restlos verrottet sind. Andernfalls taugt ein solcher Scheunenfund nur zum Schlachten und liegt bei rund 1000 Euro.

Ersatzteile
Das größte Problem der Arabella: Neuteile sind nicht mehr zu haben, gebrauchte Brocken gibt es nur mit sehr guten Verbindungen oder viel Glück. Nur einzelne Positionen sind bisher nachgefertigt worden: Türgummis und Bodenblech-Teilstücke zum Beispiel oder Schließkeile für die Türen. Schon die Suche nach zwei Zylinderkopfdichtungen kann das Telefon heißlaufen lassen - wer also an eine Arabella gerät, sollte schleunigst einem Borgward- oder Lloyd-Club beitreten und Kontakt zu aktiven Arabella-Eignern suchen.
Wenn einmal Teile auftauchen, sind sie dafür nicht allzu teuer. Rund 600 Euro kostet unter Arabella-Fans ein ordentlicher Gebraucht-Motor, mit etwa 250 Euro notiert ein gut erhaltener Kotflügel. Fürs gleiche Geld gibt es eine gebrauchte Panorama-Heckscheibe oder einen Satz neuwertiger Heckleuchten. Stoßstangen und Radkappen sind sehr selten.

Spezialisten
Arabella Freunde Deutschland, sowie Arabella Typenreferent Joachim Krah

Mängel:
Kotflügel
Radläufe, Endspitzen
A-Säule
Schweller
Radkästen
Zentralrohr
Querholme
Spritzwand
Türen
Fußraum
Kofferraumboden
Stoßdämpferdome
Sitzschalen
Getriebe
Armaturenbrettabdeckung
Stirnrad
Antriebsgelenke

Tipp
Die Arabella ist angesichts ihrer außergewöhnlichen Tugenden ganz klar unterbewertet - so viel Fünfziger-Jahre-Charme für so wenig Geld gibt es nirgendwo sonst. Bei kaum einem anderen Fahrzeug können Schrauber soviel selbst machen wie bei dem Mittelklasse-Lloyd. Und: Die meisten Exemplare werden mit kleinem Teilelager angeboten - eine Beigabe, für die sich auch ein deutlicher Mehrpreis lohnt. Eine gute Arabella ohne Teilesorgen eignet sich durchaus für den Alltagsbetrieb.

Motor Klassik-Redakteur
Christian Steiger

mit freundlicher Genehmigung der:
Motor Klassik - das Oldtimermagazin von auto motor und sport
Heft 7/1997

Überarbeitet und aktualisiert am 22.03.2016 Joachim Krah

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