30 Dez 2025 10:44 #57338
von Presseabteilung
Liebe Leute,
ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben will. Vermutlich wird er eine längere Diskussion auslösen und irgendwer wird am Ende beschließen, nicht mehr mit mir sprechen zu wollen. Auch recht, doch es muss raus, denn es geht nicht um mich, sondern darum, wie manche Borgward-Liebhaber mit Einsteigern umgehen. Sie erweisen unserem gemeinsamen Hobby einen Bärendienst und bauen an einem Image, das wir eigentlich nicht haben sollten. Aber der Reihe nach.
Da wird ein Auto angeboten, es steht schon lange, scheint aber substanziell gut zu sein und soll sehr wenig kosten. Das Angebot kommt per Mail an einen Kreis von Borgward-Fahrern, die sich jährlich zur Ausfahrt treffen. Auch Mitglieder der IG sind dabei. Beim Lesen des Angebots muss ich an Tim denken, einen Freund meiner Tochter. Seinen Namen habe ich hier verändert. Tim ist 24, studiert Maschinenbau, das Geld läuft ihm nicht aus den Taschen, doch einen Borgward hätte er gerne, weil er diese Autos bei mir fahren und lieben gelernt hat. Kurz: Er ist einer, der das Feuer weitertragen könnte und würde. Deshalb telefoniere ich mit dem Anbieter und stelle den Kontakt her. Der Mann kommt nicht aus der Borgward-Szene, er hat das Auto von seinem Bruder geerbt und ihm am Totenbett versprochen, den Wagen in gute Hände zu geben. So jedenfalls sagt er es. Ich erzähle ihm von Tim, die beiden telefonieren, Tim besichtigt und bittet um einen Tag Bedenkzeit, um das Geld zu besorgen und zusammen mit mir den Transport zu regeln. Am nächsten Morgen sagt der Anbieter dann aus heiterem Himmel ab, ein senioriger Borgward-Liebhaber aus der Region wolle den Wagen unbedingt haben und bekomme ihn jetzt. Juristisch ist das völlig in Ordnung, schließlich ist noch kein Vertrag zustande gekommen. Für unser Hobby sind solche Aktionen der Marke "Gier frisst Hirn" aber ein Desaster, wie ich finde. Sicher, vielleicht war Tim etwas unsicher, womöglich war er tatsächlich nicht gierig genug, es gibt ja Gründe, eine solche Entscheidung zu treffen. Aber dass ein Wort kein Wort ist, finde ich echt bitter. Wer will, dass die Szene auch morgen lebt, sollte gönnen können, statt zu raffen.
In diesem Sinne: schönen Jahresausklang und alles Gute für 2026. Und dem neuem Besitzer viel Freude mit seinem Auto, das er sich womöglich neben seine anderen Autos stellen wird.
Viele Grüße,
Christian
Wir fahren Borgward – und schreiben darüber.
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