Warnblinker elektronisch - Fehlfunktion behoben

27 Aug 2024 21:44 - 27 Aug 2024 21:57 #53583 von 369600coupe
Warnblinker elektronisch - Fehlfunktion behoben wurde erstellt von 369600coupe
Hallo zusammen,

bin ja gerade dabei mein Coupe TÜV-fertig zu machen, wobei mir nochmal die Warnblinkanlage negativ auffiel.Die Anlage wurde mit dem neuen Gesamtkabelbaum und dem elektronischen 6V-Warnblinker von Clubfreund Egon bezogen und verbaut. Genial beschrieben und schön zu verbauen gewesen. Trotzdem fiel mir auf, dass der Warnblinker offensichtlich nicht richtig funktionierte, da er eine ziemlich hohe und nervöse Blinkfrequenz im Gegensatz zum normalen Blinker aufwies. Also keinesfalls TÜV-fähig.
Das Thema habe ich Monate lang schleifen lassen und bin nun endlich mal der Ursache hinterhergegangen.
Also der Reihe nach:
Für den Warnblinker nutzte ich eine vorhandene Bohrung im Armaturenbrett weit links fahrerseitig, wobei der Schalter dann quasi hängend zum Fußraum positioniert wurde.



Konnte mich erinnern, dass der Vorbesitzer hier eine Wischer-Intervallschaltung installiert gehabt hatte.
Jedenfalls war das sperrige Gehäuse teils im Weg. Um das passend  und spannungsfrei zu montieren, musste das Alu-Gehäuse partiell gestaucht werden.
Die Position war gut, also ging ich das Risiko ein, demontierte den Warnblinker. Sah nach ob in der geplanten und erforderlichen Eindellung innen jemand "wohnt" , was nicht der Fall war (Hohlraum) und setzte stumpf um. Garantie erloschen, aber Platz gut gesichert! Was muß das muß, trotz 100€ Sachwert!

 

Die Funktion wurde geprüft, die hohe Blinkfrequenz fiel denoch auf, um die sich nun gekümmert wurde.
Also ausbauen und nachsehen, was im Inneren evtl defekt sein könnte. Meine Gehäusemodifizierung konnte ich als Ursache ausschließen, aber eventuelle Fehler beim Zusammenbau eben noch nicht.
Das sieht dann so aus:

 
 

Das ganze besteht aus zwei Platinen, wobei diese Huckepack zusammengelötet sind.

Die untere und größere enthält das Layout auf dem die Kontaktbahnen für die Schleifkontakte beim bewegen des Schalters fahren und entsprechende Kontaktebenen brücken. Die Kontaktfedern befinden sich in der Bodenplatte bei den Anschlußkontakten. Die Platine oben auf, enthält das Relais und ein paar diskrete Bauteile.
Für interessierte - solche Schaltungen bestehen meist aus einem astabilen Multivibrator(Kippstufe) deren Schaltzeiten über ein RC-Glied (Widerstand und Kondensator) bestimmt werden.
Zwei von den drei sichtbaren blauen Bauteilen (sogenannte Elektrolytkondensatoren) sind in ein RC Glied als zeitbestimmend involviert. Haben diese, z Bsp. durch Alterung, Werteverluste in der elektr. Kapazität, hier gemessen in µF, könnte dies eine Ursache der Blinkfrequenzabweichung sein.
Mit diesem Wissen konzentrierte sich die Prüfung zuerst eben auf diese Bauteile. Eine erste Messung eines Elko's ergab bereits eine deutlich meßbare Abweichung. Da dies aber in der Schaltung gemessen wurde, konnte eine Fehlmessung nicht ausgeschloßen werden (Parallkapazitäten, andere Bauteile, etc.). Daher mußten die Bauteile vereinzelt werden, was nur über eine Vereinzelung auch der Leiterplatten zu machen war, da die Anschlußbeinchen der Elko's und auch zwei Kontaktbrücken durch beide der LP's verlötet waren.
Also ran mit Lötkolben und elektr. Lötzinnabsauger.

  
 

Die erste Messung mit einem Kapazitätsmeßgerät. Referenzwert die am Bauteil aufgedruckten Werte.

  

Erster Kondensator Sollwert 100µF; Istwert nur ca. 78µF - kann bleiben, da mit ca. 10-20% Toleranz bei diesn Japan-Elkos gerechnet werden kann! Zudem nur Siebelko oder ähnliches.
Nun die relevanten Messungen an den zeitbestimmenden RC-Kombinationen, bestehed aus je zwei 220µF Elkos und deren Widerständen, die aber außer acht blieben..
Zweiter Kondensator Sollwert 220µF; Istwert ca. 321nF, also eine vielfach (drei Zehnerpotenzen) kleinere Kapazität. Im Fachjargon als "elektr. Taub" bezeichnet.
Austausch erforderlich!

 

Dritter Kondensator  Sollwert 220µF; Istwert ca. 107µF. Ebenfalls hälftiger Kapazitätsverlust. Austausch erforderlich!

 

Also Teile entsprechen auslöten, ersetzen und Platinen wieder Original verbinden. Vorher noch eine Probemessung der Ersatzteile. Mit nun 199µF(statt 220µF) i.O und innerhalb der Toleranz akzeptabel.

 


Ansicht der Rückseite auch der kleinen Leiteplatte, welche die elektronischen Bauteile, hier alles einfach diskret ohne IC's aufgebaut, trägt, aber bereits im SMD-Format, kombiniert mit den Elkos, dem Relais und ein paar Brücken, auf der Oberseite (axial/radial-Bestückung).

 
 

So, alles wieder zusammengefügt, Gehäuse vercrimpt und eingebaut zum Test.
Optisch,  nach zweimaliger Demontage nicht mehr der ästhetische Hochgenuß, aber Zweckmäßigkeit ging hier vor und die Reparatur war sowieso unumgänglich.

 

Kaum erwähnenswert, das nach der Vermessung und Austausch der zwei betroffenen Teile, die Warnblinkanlage im richtigen Rhythmus seinen Dienst wieder versieht!
Der TÜV rückt näher!

 


Wer sich beim Einbau genau dieses Bosch Warnblinkers als Beipack zum neuen Kabelbaum, ähnlicher gelagerter Probleme gegenübersieht, sollte gleich Egon Krill kontaktieren,
bei mir war die Garantie nicht mehr gegeben, also war Selbshilfe angesagt.

Das generelle Problem beim einlagern elektronischer Komponenten, sind eben diese Elektrolytkondenatoren und auch best. Speicherbausteine, die Lagerungen über 10-15 Jahre nicht vertragen.( Elkos könnten neu konditioniert werden, aber wer macht das bei den Pfennigbeträgen socher Bauteile) Das wird z. Bsp. bei jedem industriellen Audit in Elektronikfertigungen für einzulagernde Ersatzteile immer wieder abgefragt.


Schraubergrüße

Rolf

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28 Aug 2024 09:18 #53585 von habre16
Das war dann mal ein Interessaner Artikel zum Thema!
Bin jetzt erstaunt, daß mein Hella Warnblinker, der wohl seit 1973 verbaut ist, trotzdem seinen Dienst bereitstellt.
Fahrzeug mit 25 Jahren Dornröschenschlaf. Von den Betriebsstunden her gesehen in den ganzen Jahren noch keine Stunde in Betrieb gewesen!
Außer TüV an und geht,wieder  aus. Nach vorherigem Kurztest zu Hause.
Haben die Hersteller am Anfang der Warnblinker Plicht besseres Material verwendet?

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28 Aug 2024 10:01 #53586 von 369600coupe
Um es einfach darzustellen, die Antwort aus dem Netz für den Fall wie er hier vorliegt:

Bei einer Betriebstemperatur von 65 °C ergibt sich für Elkos der Güteklasse 85 °C / 2000h eine kalkulierte Lebensdauer von 8.000 Stunden. Legt man einen 24/7-Dauerbetrieb des IPC-Systems zugrunde, bedeutet dies, dass bereits nach 11 Monaten die Lebensdauer der Elkos erschöpft ist.

Zudem haben Elektrolytkondensatoren eben ein flüssiges Elektrolyt anstelle eines festen wie bei normalen Kondensatoren, was die Alterung über Lebenszeit und wesentlich auch unter Einfluß der Umgebungstemperaturen negativ beinflußt. In der Praxis bleibt der Kapazitätsverlust oft unbemerkt, da Elkos für vielfältige Zwecke eingesetzt werden. Sind diese aber für zeitbestimmende Impulsschaltungen mit verantwortlich, sieht man den Effekt eben auch mal.

Trotzdem keine Panik, die Fälle halten sich sicherlich in Grenzen. Und ja, natürlich gibt es auch qualitative Unterschiede. Ich schrieb ja "Japan-Elko's", die Billigvariante der Konsumer Elektronik- auch wenn Bosch der offizielle Hersteller ist, stammt das Ding mit Sicherheit aus Osteuropa oder sonstwo, da der seltsame Aufbau für eine Kleinserie spricht, teils über den SMD-Automaten, teils dann durch Handarbeit endgefertigt (Huckepackplatine), die sich niemals über einen Automaten so fertigen liese.

Schraubergrüße

Rolf
 
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28 Aug 2024 10:59 #53589 von borgideluxe
Klasse Bericht mal wieder Rolf. Danke!

Was mich ein wenig Stutzig macht ist, dass es ein "elektronischer Warnblinkschalter" sein soll.
Kannst mal den Typ des Bosch- Warnblinkschalters angeben. Ich nehme an, du hast ein 6 Volt Bordnetz.
Die Dinger sind ja mittlerweile sehr teuer geworden.
Habe ehrlich gesagt noch nie so ein Ding zerlegt. Bei meiner Arabella (auch 6 Volt) spinnt der Schalter schon mal.
Ist allerdings ein Hella- Warnblinkschalter und kein Elektronischer. Mal geht er, mal geht er nicht.

Schöne Grüße
Joachim


Webmaster und Moderator des Forums
der C.F.W. Borgward IG e.V.

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28 Aug 2024 11:59 - 28 Aug 2024 12:03 #53591 von 369600coupe
Hallo Joachim,

ist definitiv ein elektronischer, unzweifelhaft dem Aufbau zu entnehmen.
Müsste dieser hier sein, angeboten im Preisrange von ca. 90-170€. Das gleiche Teil!

 

Die Bezeichnung ist auf meinem Gehäuse nicht zu sehen. Alles neutral ohne genaue Typenbezeichnung.


Schraubergruß

Rolf

PS. Stimmt wohl nicht ganz. Der hier ist ja für max.6 x 21Watt ausgelegt. Unserer soweit ich weiß, nur für 4 x 21W. Das Schaltungsprinzip wird das gleiche sein.
 

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28 Aug 2024 12:45 #53592 von H.Metz
Defekte Elkos mit Kapazitätsverlusten und Feinschlüssen sind tatsächlich im Reparaturbereich Altagsgeschäft.
Deshalb bei der Neubeschaffung von elektronischen Bauelementen immer auf höchste Qualitätsstandards
(z.B. Elkotypen von Panasonic mit deutlich erhöhter Lebensdauer) achten.

Vielen Dank für Deine ausführlichen Restaurationsberichte!

H.Metz
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28 Aug 2024 13:57 #53593 von 369600coupe
So ist es!
Noch kritischer in Richtung Lebensdauer ist die Verwendung von Tantal-Elkos durch einige Hersteller. Da ist die kurzlebigkeit schon Programm, ähnlich dem sprichwörtliche Rost schon im Prospekt bestimmter PKW Hersteller.

Schraubergruß

Rolf

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